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Tag der Arbeit: Mehr Arbeiter_innenkinder an die Unis!

Richard am 1. Mai 2010 um 11:19

Heuer bietet der 1. Mai wiederum ein tolles Spektakel. Der VSStÖ präsentierte sich mit einer symbolkräftigen Inszenierung, wobei der beschränkte Zugang zur Bildung dargestellt wurde und in der Andeutung der Trennung von “Spreu” und “Weizen” der die soziale Selektivität des österreichischen Bildungssystems gezeigt wurde.

Mehr Arbeiter_innenkinder an die Unis! Unter diesem Slogan stand die heurige Aktion des VSStÖ, die dem Protest der Studierenden bei diesem Großevent Ausdruck verlieh  und für das Recht auf unbeschränkten Bildungszuganges eintrat. Der 1. Mai ist  für uns sozialistische Studentinnen und Studenten nicht nur ein Feier-, sondern vor allem ein Kampfttag. Er ist der Ausdruck des aktiven Widerstandes gegen soziale Ungerechtigkeit und Missstände in unserem Bildungssystem, dass immer mehr auf die Verwirklichung eines Elitenkonzepts drängt und immer mehr Menschen vom freien Zugang abschneidet. Der VSStÖ nimmt diese Zustände nicht hin! Wir kämpfen für die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen, sowie eine umfassende soziale Absicherung sozial schwacher Bevölkerungsschichten.

Unsere Stimme erhebt sich auch an diesem 1. Mai, sowie über alle Zeiten hinweg für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität!

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Abschiebung und Polizeigewalt

Richard am 29. April 2010 um 21:33

Heute fand um ca. 20:00 Uhr die Abschiebung eines Fußballclubs, dessen Mitglieder Migrationshintergrund haben, an der Ecke Alserstraße / Hernalser Gürtel statt. Die Versuche den Polizeibus durch eine Sitzblocke aufzuhalten, wurde unter Einsatz polizeilicher Gewalt, vereitelt. Trotz der Betäuerungen der kurzfristig zusammengekommenen und nicht angemeldeten Demonstrationsbewegung, dass kein gewaltsamer Widerstand geleistet wird, griff eine Wega-Einsatzgruppe hart durch. Leute wurden gerempellt und zu Boden geworfen. Der Abschiebungsbus schaffte es aber nur eine Straße weit, wo sich mittlerweile eine weitere Menschenkette gebildet hat. Auch diese wurde jedoch durch Wega-Einsatzkräfte mit aller Brutalität zurückgedroschen. Die Bekundung des friedlichen Widerstandes und des zivilen Protests gegen den menschenrechtswidrige Abschiebungen wurde von der Staatsgewalt aufgerieben. Der Polizeibus konnte aber nicht weiterkommen, weshalb die Entrechteten in einen zweiten Bus verladen wurden und über eine Lücke auf der mittlerweile teilweise geräumten Alserstraße die Verschleppung letztlich leider doch gelang.

Ein äußerst trauriges Symbol für einen demokratischen Rechtsstaat, auf friedliche Demonstrant_innen einzudögeln und derart repressiv vorzugehen. Die hier gezeigte Gewalt hat ein neues Ausmaß erreicht, welches zuletzt bei der Anti WKR-Ball-Demo an den Tag gelegt wurde.

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Ein Gespenst geht um…

Richard am 5. April 2010 um 12:13

…das Gespenst des E-Voting.

Was bei den letzten ÖH-Wahlen als Pilotprojekt gestartet wurde, wird bei den nächsten Wahlen 2011 nicht mehr eingesetzt, so Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Die Evaluation habe ergeben - und hier gibt sich Karl sicher - dass das technische Konzept des E-Votings ein Erfolg gewesen sei. Das System der elektronischen Stimmabgabe sei einfach in der Anwendung und würde die “Briefwahl” auch zur  Österreichischen Hochschüler_innenschaft ermöglichen. Letztlich wolle mensch auch jene Student_innen erreichen, die seltener auf der Uni sind.

Fakt ist jedoch, dass die Wahlbeteiligung mit 25,7% bei den letzten ÖH-Wahlen im Mai 2009 einen Tiefpunkt erreicht hat, obwohl das Konzept des E-Voting das Gegenteil bewirken sollte. Letztlich sei es aber an der politischen Gegner_innenschaft im Wahlkampf gescheitert, wo die Diskussion um die Möglichkeit der elektronischen Stimmabgabe heftig zurecht kritisiert wurde und bei der ÖH auf Widerstand gestoßen ist. Für die Stimmabgabe musste eine Bürger_innenkarte beantragt, sowie ein Kartenlesegerät besorgt werden. Letzteres wurde zwar auch gratis verteilt und es ließen sich über 14.000 Studierende registrieren - ihre Stimme haben jedoch nur 2.000 Studierende über E-Voting abgegeben.

Laut dem Evaluierungsbericht des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung zum E-Voting sei das Gesamtkonzept im Großen und Ganzen ein sicheres System, welches eine bequeme Stimmabgabe ermöglicht, auch wenn rund 50% der Befragten angaben, ein unspezifisches Misstrauen empfunden zu haben. Die Problematik liegt auf der Hand, dass die Fallzahl dieser Studie nicht repräsentativ für die Wähler_innen gesehen werden kann und demokratiepolitische Bedenken daher auch keinen Eingang in das Ergebnis finden können.

Fest steht, dass E-Voting das demokratische Grundprinzip der geheimen Wahl ins Wanken bringt. Schließlich kann über die elektronische Stimmabgabe die Anonymität der individuellen Wahlentscheidung nicht mehr umfassend garantiert werden. Es handelt sich um komplexes System aus Datenschutzrichtlinien und -Verordnungen, welches von den Wähler_innen selbst nicht mehr in seiner Gänze durchblickt werden kann. An dieser Stelle entscheidet nicht mehr die_der Wähler_in über ihre_seine geheime Stimmabgabe, sondern einzig die Administrator_innen, die das technische und datenrechtliche Räderwerk bedienen. In Anbetracht dieser unnützen Komplizierung und Undurchsichtigkeit bringt E-Voting mehr Probleme als Vorteile. Ein Vergleich mit der Briefwahl ist daher unzulässig und falsch, weil die elektronische Stimmabgabe zwar benutzer_innenfreundlich sein mag, jedoch ein weitaus komplizierteres Verfahren erfordert, in welchem die_der Wähler_in die Geheimhaltung, im Sinne dass die  Wahlentscheidung nicht zurückverfolgbar ist, nicht mehr für sich gewährleisten kann.

Bedenklich ist auch, dass der damalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn das Experiment E-Voting ohne umfassendes Einverständnis der wahlwerbenden Studierendenfraktionen durchgepeitscht hat, was letztlich 90.000 Euro kostete und ebenso einen Grund für die breite Ablehnung darstellte.

Interview mit Beatrix Karl: http://derstandard.at/1269448836558/Standard-Interview-Karl-E-Voting-wird-2011-nicht-mehr-eingesetzt

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Zerrbild der Emanzipation

Richard am 29. März 2010 um 10:07

Anlässlich der Debatte um die Kandidatur von Barbara Rosenkranz stieß ich auf einen älteren Artikel aus unserer Zeitschrift Sowi-Offensiv, der in Anbetracht des Weltbildes des dritten Lagers nichts an Aktualität eingebüßt hat.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Frauen, sowie ihre politischen Aktivitäten in der Rechten kontinuierlich gestiegen. Ihre Aufgaben sind meistens in der Basisarbeit, wobei die Gruppierungen ihr Image aufbessern wollen, indem sie Frauen in prominentere Positionen bringen. In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage, welches Frauenbild in der rechten Szene nach außen hin getragen wird und warum dieses weniger mit Emanzipation. Bereits im Wintersemester 2008 wurde zu diesem Thema eine Proseminararbeit verfasst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich in rechten Gruppen und Organisationen (Skinheads bzw. –girls, Burschen- bzw. Mädchenschaften, sowie Fraktionen und Parteien) sich in Abstufungen und nach Radikalitätsgrad ein reaktionäres, rassistisches und pseudoemanzipatorisches Frauenbild feststellen lässt. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aus den Argumentationslinien in Interviews, Programmen und Schriften ersehen, dass dieses Verständnis der Gleichwertigkeit nur innerhalb der eigenen Nationalität und Ethnie, sowie für heterosexuelle Beziehungsformen gilt. Über den Status der Frau lassen sich zwei Extrempositionen konstatieren, die je nach Organisation unterschiedliche Ausprägungen an Radikalität erfahren: die Ablehnung und die Befürwortung des Eintritts der Frauen in die Erwerbstätigkeit. Während ersteres klischeehafter für rechte und konservative Ideologien ist, tritt vor allem die letztere Position vermehrt in der Fordergrund, wie es beispielweise bei der FPÖ der Fall ist.

Scheinemanzipation …

Die Ansichten einiger rechter Parteien wie der FPÖ weisen ein zwiespältiges Verhältnis zur Rolle der Frauen auf, welches aber im Kern konservativ ist. So werden Probleme sexueller Diskriminierung (Stichwort gläserne Decke) oder Überrepräsentanz von Frauen in schlechter bezahlten Berufen (u.a. Teilzeitjobs) auf ein sogenanntes „natürliches“ Geschlechterverhältnis zurückgeführt, welches sich – aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten von Frauen am Arbeitsmarkt – von selbst dahingehend wenden würde, dass Frauen immer gleichgestellter würden, wie folgendes Zitat belegt.

Es herrscht Einigkeit, dass es zwischen Mann und Frau Gleichberechtigung geben muss. Für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn.

Dabei wird das Problem der Doppelbelastung von Frauen durch Familie und Beruf heruntergespielt. Da jedoch keine Lösung für die Doppelbelastung angeboten wird, wird das Problem den Frauen überlassen, wie sie sich gegenüber der männlichen Konkurrenz durchsetzen.

… am Beispiel des Ring Freiheitlicher Studenten [sic!] (RFS)

Wie in der Argumentation der FPÖ (hier weniger explizit) lässt sich auch in der Argumentation von Mitgliedern des RFS die Betonung der Erhaltung der Werte finden, wobei hierunter dezidiert die Mutterrolle verstanden wird, wie folgendes Zitat verdeutlicht.

Sich radikal für Frauenquoten zugunsten geburtsverweigernder Karriere-Frauen einzusetzen, ist jedenfalls der falsche Weg.

Der RFS betont dezidiert eine pronatalistische Haltung, um dem Problem der Zuwanderung entgegenzuwirken. Im Sinne dieser Logik stellen Frauen die schwere Artillerie als Gebärmaschinen gegen das Anwachsen der Migrant_innen und Überalterung der Bevölkerung dar. Auch hier zeigt sich die rassistische Konstruktion des Fremden, die_der die heimische Kultur in ihrer Reinheit bedroht, sowie die Reduktion der Frau auf ihre biologische Funktionalität. In weiterer Folge wird im Zuge einer geschlechtsspezifischen Rollenzuweisung das Verhältnis Mann-Frau naturalisiert.

Es gibt Berufsarten, die der männlichen oder weiblichen körperlichen wie geistigen Spezifikation eher entsprechen und deshalb auch mehrheitlich von den jeweiligen Geschlechtern ausgeübt werden.

In der weiteren Argumentation wird daher den Frauen dezidiert die Rolle der Kindererziehung zugeschrieben, während sogenannte Frauenquoten diese „natürliche“ Ordnung (eine idealistische Konstruktion) nicht eingreifen sollen. Daher fordert der RFS eine Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Mutterschaft. Auch hier zeigt sich der pseudoemanzipatorische Anspruch, insofern zwar Maßnahmen für das Muttersein und Familienförderungen (Siehe Steuersplitting) vorgeschlagen, hingegen Hilfestellung für eine gleichberechtigte und antihierarchische Stellung der Frauen in einer nach wie vor patriachal geprägten Wirtschaft abgelehnt werden.

Literaturhinweise

  • Antifaschistisches Frauennetzwerk/Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus (Hg., 2005): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der rechten Szene. Die Deutsche Bibliothek, Münster
  • RFS (Hg., 2007): Der Ring. Die Freiheitliche Studentenzeitung. Nummer 25, Sommersemester 2007, Österreichische Post AG/Sponsoring Post, Wien
  • Rösslhumer, Maria (1999): Die FPÖ und die Frauen. Döcker, Wien
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Krux des “Leistungsstudiums”

Richard am 20. März 2010 um 08:56

In den Äußerungen zur Uni Politik ihren Zielen verlangt Bildungsministerin Beatrix Karl immer wieder die Erhöhung der Leistungsanforderungen an Studierende, sowie eine höhere Out-Put-Orientierung seitens Uni und bei der Erstellung von Lehrplänen. Wenn also davon die Rede ist, dass mensch sich eine höhere Akademiker_innenquote wünscht, so stehen letztlich die Absolvent_innen des Bachelors vor Windmühlen:

In Österreich gilt der Bachelor in der Verwaltung (u.a. Ministerien) nach wie vor NICHT(!) als vollwertiger akademischer Titel. Einsteiger_innen in dieses Beruffeld werden als B-Beamt_innen mit Matura eingestuft und nicht als A-Beamt_innen mit akademischen Abschluss. Und ausgerechnet im Ministerium für Wissenschaft und Forschung von Frau Karl gilt das auch, wo sie doch Leistung, Anstrengung und Berufsorientierung fordert. Wie denn jetzt?! Zuerst studieren und dann gesagt bekommen, weiterhin als Maturant_in zu gelten?

Der theoretischen Konzeption nach soll der Bachelor eine möglichst breite Basis schaffen, von der aus ein Einstieg ins Berufsleben und/oder in ein Masterstudium möglich wird, wo dann eine fachspezifische Spezialisierung erfolgt. Nun sind die alten Diplomstudien in sechs Semester gepresst worden und der Versuch eines “smarten” Studiums stößt an allerlei berechtigten Widerstand. Schließlich ist noch immer nicht klar, wohin das eigentlich gehen soll: Einerseits heißt es, der Bachelor soll quasi eine akademische Grund(aus)bildung geben, von wo aus mensch sich entscheiden kann, wohin sie_er danach gehen will. Andererseits gilt der Bachelor praktisch aber nicht als solche Basis.

In weiten Teilen der Wirtschaft und der Verwaltungen wird der Bachelor nicht als vollwertiges Studium anerkannt! Es wird bemängelt, dass die Spezialisierung fehlt - was aber auch nicht die Intention des Bachelorstudiums ist. Wenn also Frau Karl argumentiert, dass höhere Leistugnen erforderlich sind, dann ist dem entgegenzuhalten, dass diese Studienleistungen nicht in dem Maße wertgeschätzt werden. Die Verantwortung schließlich auf die Einzelpersonen abzuwälzen, insofern das Gefühl geweckt wird, nicht genug getan zu haben, ist anbetracht dieser Konstellation blanker Hohn!

Auch die immer wieder geforderten Zusatzleistungen und damit die Anforderungen des Arbeitsmarktes werden über kurz oder lang mit der neuen Studienarchitektur kollidieren: Das Bachelor-Master-PhD-System sieht Vollzeitstudien vor, im Zuge derer zusätzliche Tätigkeiten nur noch schwer bis gar nicht möglich sind. Hier sogenannte “Zusatzqualifikationen” bzw. “skills” zu sammeln wird doch durch die eigene Struktur verunmöglicht!

Es bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder die Leistungen der Studierenden werden in jeder Hinsicht anerkannt und alle gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Akteur_innen und Institutionen stellen sich darauf ein, oder der Bachelor gilt weiterhin als Studium zweiter Klasse und wir müssen uns Lösungen einfallen lassen, wie wir dieses Konzept aufwerten oder umgestalten.

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Und immer wieder gewinnen die Reichen

Richard am 17. März 2010 um 10:17

Was Im ZENTRUM (14.03.2010) seitens Wolfgang Katzians angeklungen ist, spiegelt leider die bittere Realität: Wer spekuliert und abzockt, die_der gewinnt noch dazu! Durch die Staatshilfe seitens der Bundesregierung wurden Geldinstitute gestützt, oder wie im Fall der Hypo vor dem totalen Zusammenbruch bewahrt. Nun gibt es jedoch keine gesetzlichen Verpflichtungen, wie mit den Finanzspritzen umgegangen werden soll - die Banken spekulieren auf alle Fälle weiter und einige Manager_innen können auf Kosten der Steuerzahler_innen satte Gewinne einstreichen und die Finanzkrise gilt teilweise als überwunden.

Die Handlungen der Regierungen in Europa und den USA haben den Kapitaleigentümer_innen klar gemacht: egal welchen Scheiß ihr baut, wie viel Milliarden ihr in den Sand setzt, Volkswirtschaften zugrunde richtet, letztlich zahlen doch wir eure Krise! Dass dafür Sozialleistungen gekürzt werden oder auch das Bildungssystem darunter längerfristig leiden wird, scheint zwar bekannte Tatsache zu sein, wird aber mit einem Schulterzucken abgetan.

Die Idee des Transferkontos ist in Anbetracht dessen einfach pervers: Jede_r wird daraufhin durchleuchtet wieviel sie_er dem Staat an Kosten verursache, doch wenn das Füllhorn über jene ausgeschüttet wird, die ohnehin im Vollen sitzen und es offensichtlich egal ist, was mit dem Geld passiert, bestätigt sich die Annahme Marx’, dass der Staat das Instrument der herrschenden Klasse darstellt. Eben die Klasse der Kapitaleigentümer_innen die für ihre Machenschaften nicht haftbar sind und wo die Justiz offenbar bei den Eigentumsverhältnissen an ihre Grenzen stößt.

Der Mythos wird hochgehalten, dass alle Unternehmen und Anleger_innen aus Österreich flüchten, wenn Progressivsteuern auf Spekulation, Vermögen, Stiftungen und Erbschaft erhoben würden. Tatsache ist jedoch, dass Österreich eine Steuroase für Reiche und Superreiche darstellt, wie es sie selten in Europa gibt.

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Atomare Renaissance? Bloß nicht!

Richard am 17. Februar 2010 um 13:36

Es ist kaum zu glauben, aber leider wahr: Präsident Obama will einen Ausbau der Kernkraftwerke (KKWs)  in den USA um mehr Unabhängigkeit vom Öl zu erreichen, Arbeitsplätze zu schaffen und “klimafreundlich” Energie zu gewinnen. Dieser Schuss wird nach hinten los gehen und entblößt eine äußert traurige geschichtliche Tatsache: aus Tschernobyl wurde nichts gelernt!

Mit 104 in Betrieb befindlichen Reaktoren, sind die USA der größte Atomstromproduzent der Welt. Der KKW-Bauboom in den Sechzigern und Siebzigern fand mit dem Unfall in der Anlage auf Three Mile Island/Harrisburg im Jahre 1979 ein aprupptes Ende. Die Atomenergiegegner_innenschaft in Österreich formierte sich bereits 1978 und verhinderte im Zuge einer Volksabstimmung (mit knapper Mehrheit) die Inbetriebnahme des bereits fertiggestellten Kraftwerks Zwentendorf in Tulln.

Argument: Atomenergie ist doch günstig. Stimmt nicht!

Ende der siebziger hat die Rockefeller Foundation einen Bericht heraugegeben, der sich mit der kommerziellen Nutzung von Kernspaltung und den daraus entstehenden Risiken befasst. Hierin wurde festgestellt, dass Energiegewinnung aus Atomkraft längerfristig äußerst kostenintensiv ist. So war/ist der Bau von Reaktoren und Kraftwerksanalagen relativ günstig, doch die Inbetriebhaltung, Aufrüstung der Sicherheitsvorkehrungen, Materialerhaltung und die vorangehende Urananreicherung, sowie die Endlagerung des anfallenden Atommülls  sind rein rechnerisch ein Milliardengrab. Dies war auch einer der Gründe, warum in den USA bisher keine neuen Reaktoren gebaut wurden.

Argument: Kernspaltung ist eine Energiequelle mit Zukunftspotenzial. Stimmt auch nicht!

Uran ist einer der seltensten Stoffe auf unserem Planeten. Ausgehend von den heute vorhandenen Ressourcen und unter Einberechnung der in Betrieb befindlichen und geplanten Neubauten an Reaktoren, wird der Vorrat an, in der Natur vorkommenden und abbaubaren Uran in etwa 70 Jahren erschöpft sein. Der Abbau an sich stellt eine hohe Belastung für die betroffenen Bergbauregionen und die dort lebenden Menschen dar. Die Herstellung von spaltbarem Uran-235 bedarf eines kostenintensiven und nicht ungefährlichen Anreicherungsverfahrens.

Argument: Atomkraft ist eine saubere Energiequelle, da sie klimaschonend ist. Und auch das stimmt nicht!

Das Problem der sicheren Endlagerung von hochradioaktivem Müll, der im Zuge des Kernspaltungsverfahrens eben anfällt, ist bis heute nicht geklärt. Die Idee tiefe Stollen in Berge und Höhlen zu treiben ist dabei keine Alternative - nachweislich stellen die jetzigen Deponien eine Gefährdung für das Grundwasser dar und sind teilweise in einem schlechten Zustand und auch nicht erdbebensicher. Und nur weil viele Staaten Europas der Russischen Föderation Millionenberäge für die Abnahme des Atommülls zahlen, hat sich das Problem nicht erledigt - es strahlt die nächsten jahrtausende weiter und bereits jetzt gibt es in Russland Gebiete, die nicht mehr bewohnbar sind bzw. eigentlich nicht mehr bewohnt werden sollten. Das Argument der Klimafreundlichkeit zählt hier  insofern nicht, als dass es sich im Falle der Debatte um Atomenergie um eine Augenauswischerein von Lobbyist_innen handelt: Es wird quasi ein Klimaschutzzertifikat gegen eine Aktie einer/eines KKW-Betreitreiber_in getauscht. Wenn die Menschen an Leukämie und den buntesten Variationen von Krebs krepieren, wird der Klimawandel nicht mehr unsere größte Sorge sein!

Warum haben wir nichts aus Tschernobyl gelernt? Für die UdSSR war der Ausbau der Atomenergie eine ultima ratio. Einerseits sollte der Energiehunger der Industrie befriedigt werden, andererseits wurde versucht im technologisch-ideologischen Wettrüsten den Anschluss an den Westen zu erreichen - koste es, was es wolle. Der Preis war die Katastrophe von Tschernobyl. Wenn die USA nun den Ausbau der Atomenergie, die einigen Wirtschafter_innen satte Renditen verspricht, zu ihrer ultima ratio im Kampf gegen den Klimawandel machen, so bewegt sich Obama historisch gesehen auf einem Hexenkessel. Denn die Probleme, die aus dem Einsatz von Kernspaltung resultieren, sind kurz- und mittelfristig zu erahnen, längerfristig jedoch unvorstellbar. Mit der Mentalität schnelle Gewinne bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten zu erreichen, werden in aller Welt alte KKWs betrieben, die ihre Dienstzeit schon lange überschritten haben und sicherheitstechnischen Risiken darstellen. Interessanter Weise leben die Atomlobbyist_innen selber nicht in der Umgebung von Kraftwerksanlagen - warum wohl?

http://oe1.orf.at/inforadio/119141.html?filter=

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Im Zeichen des (Gegen-)Gipfels

Richard am 16. Februar 2010 um 11:20

Rasch nähert sich das nächste Sommersemester und politisch tut sich einiges. Seit dem Ende der Audimaxbesetzung haben sich erneut die Kräfte der Studierendenbewegung gesammelt, Gio Hahn hat sich in ein höheres Gehaltsschema einstufen lassen und Beatrix Karl tritt an seine Stelle als Wissenschaftsministerin.

Im kommenden Semester findet zwischen 11. und 14. März die Feier zum 10-jährigen Jubiläum des Bolognaprozesses in Wien  statt - ein schlechter Scherz! Die Politik hat hier zu Lande, was die Umsetzung von Bologna betrifft, versagt. Verschulung, keine freien Wahlfächer, Komplikationen bei Anrechnungen - um nur einige wenige Punkte zu nennen - sind dabei die Auswirkungen eines neo-liberalen (Aus-)Bildungsverständnisses: rasche Produktion von Absolvent_innen für einen Wissensmarkt und Konkurrenzfähigkeit Europas. Anders gedeutet, sollen die Absolvent_innen in ihrer Warenförmigkein die schwere Artillerie im bitteren Gefecht um die Hoheit am Weltmarkt darstellen. (Anlehnung an Karl Marx’ Manifest der Kommunistischen Partei)

Wir gehen davon aus - und diese Intention spiegeln die anlaufenden Proteste zum Bolognagipfel wider - dass Bildung nicht allein der Sinn ihrer Vermarktung hat. Dass Bildung einen universelleren Charakter hat, der den Menschen die Möglichkeit zur Emanzipation bietet und nicht dessen Anpassung und Assimilation zum Ziel hat. Der Gegengipfel möge daher beschließen: Die Proteste werden solange weitergeführt, bis die Studienbedingungen ein annehmbares Maß für alle Studierenden erreicht haben! Solange, bis Bildung den Menschen zum Zweck hat und nicht dessen Vermarktung zu wohlfeilen Preisen. Auf dass die Universitäten in letzter Instanz, dem internationalen Kapital zum Trotz, jene Menschen hervorbringt, die seinen Untergang einleiten - die heutige Studierendenschaft.

Studierende aller Fakultäten, vereinigt euch!

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Rechte Burschenschaft Online

Richard am 8. Februar 2010 um 10:37

Unkraut verdirbt nicht! Nachdem die Webside der rechtskonservativen Burschenschaft Olympia einige Zeit verboten war, ist sie nun wieder aufgetaucht. Hier werden im großen Stil “teutsch”-tümlerische und nationalistische Schwärmerein angepriesen, die auf ein abgeschlossenes und streng hierarchisch geordnetes Weltbild verweisen. In ihrer Sektiererei höhlen sie das Demokratieempfinden durch ein konservativistisches Elitenkonzept aus, womit die soziale Segregation unserer Gesellschaft auch noch legitimiert wird. Schließlich erfolgt hier die Aufteilung der Menschen in “deutsche” und “nicht-deutsche” Elemente, was den ohnehin bestehenden sozialen Ungleichheiten ein perverses ideologisches Odeur verleiht: es mieft wieder aus der braunen, faschistoiden Ecke der historischen Rumpelkammer!

http://www.vsstoe-wien.at/

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1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft?

Richard am 7. Februar 2010 um 00:23

Habe es heute in die Ausstellung im Museumsquartier geschafft, die noch bis morgen läuft. Wer bisher keine Zeit hatte, sollte unbedingt hingehen, sofern sie_er das noch nicht getan hat.

Eine Reihe von künsterlischen Installationen begleitet die_den Besucher_in durch die Ära des Umbruchs und dem Ende des bipolaren Weltbildes. Die Entwicklung in den realsozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas verlief teilweise ähnlich, aber auch konträr. Während beispielsweise in der DDR die Wende mit dem Fall der Berliner Mauer hereinbrach, kam es in Rumänien zu blutigen Auseinandersetzungen, die in der Hinrichtung von Diktator Ceausescu und seiner Gattin gipfelten.

In performativer Auseinandersetzung über die Gestaltungskomponente “Raum” wird versucht Geschichte nicht rein über Fakten begreifbar zu machen, sondern über Elemente des (Wieder-)Erkennens und der sinnlichen Wahrnehmung von Gegenständen und Bildern. Im Umgang mit Filmmedien und Strukturierung der Thematik zeigt sich die verschwimmende Grenze von Dokumentation und Fiktion, worin sich zeigt, dass Geschichte in Gedächtnis und Erinnerung immer medial vermittelt ist. Es wird einerseits mit Klischees umgangen, die den Geist des Aufbrechens bestehender politischer und gesellschaftlicher Konventionen widerspiegeln und gleichzeitig eine Hoffnungsperspektive in sich tragen. Ambivalent ist darin, dass diese Hoffnung auf ein besseres und freieres Leben mit den Konsummöglichkeiten des Westens assoziiert wurde, was ein kritisches Bild auf die nachfolgende Generation auch im Westen wirft: Es stellt sich die Frage, wie Vergangenheit verhandelt wird und welche Möglichkeiten der Reflexion der Zusammenbruch der kommunistischen Systeme Osteuropas auch für die heutigen, systemimmanenten Krisen bietet. Wie steht es also mit den sogenannten “westlichen” Werten, die ebenso einen Anspruch auf paradiesische Zustände auf der Welt in absoluter Konsumerfüllung predigen?

Unter der Wahrnehmung der Wende als bürgerliche Revolution, wie sie die heutige Geschichtsschreibung ausdrückt und die Bewegung auch kennzeichnete, steckt eine weitere Komponente, die im Konzept der europäischen Integration ihren Ausdruck findet: Die Deutung der Ereignisse von 1989 unter den moralischen Prämissen des liberalen Geistes Europas. Dabei handelt es sich bei diesem “Geiste Europas” um ein Konstrukt, um welches seit Bestehen der Gemeinschaft europäischer Staaten in der Nachkriegszeit gestritten wird. Damit erhält die Auseinandersetzung und Deutung der Geschichte der Wende 1989 in den neuen und potenziell zukünftigen Mitgliedsstaaten der EU eine integrative Komponenten, insofern hier die Möglichkeit der Konstitution einer gemeinsamen Geschichte im Sinne des Siegeszuges bürgerlicher Bewegungen und damit des liberalen Geistes gefestigt werden soll.

Der Umgang mit der Vergangenheit zeigt, dass Geschichtsschreibung einen politischen Charakter hat, insofern hier Deutungshohenheit von den Akteur_innen auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen (individuell und/oder kollektiv) beansprucht werden.  Letztlich begründet sich auf diesen Deutungsmustern Identität, aus welcher wiederum Ableitungen für zukünftiges Handeln entspringen.


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