Anlässlich der Debatte um die Kandidatur von Barbara Rosenkranz stieß ich auf einen älteren Artikel aus unserer Zeitschrift Sowi-Offensiv, der in Anbetracht des Weltbildes des dritten Lagers nichts an Aktualität eingebüßt hat.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Frauen, sowie ihre politischen Aktivitäten in der Rechten kontinuierlich gestiegen. Ihre Aufgaben sind meistens in der Basisarbeit, wobei die Gruppierungen ihr Image aufbessern wollen, indem sie Frauen in prominentere Positionen bringen. In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage, welches Frauenbild in der rechten Szene nach außen hin getragen wird und warum dieses weniger mit Emanzipation. Bereits im Wintersemester 2008 wurde zu diesem Thema eine Proseminararbeit verfasst.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich in rechten Gruppen und Organisationen (Skinheads bzw. –girls, Burschen- bzw. Mädchenschaften, sowie Fraktionen und Parteien) sich in Abstufungen und nach Radikalitätsgrad ein reaktionäres, rassistisches und pseudoemanzipatorisches Frauenbild feststellen lässt. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aus den Argumentationslinien in Interviews, Programmen und Schriften ersehen, dass dieses Verständnis der Gleichwertigkeit nur innerhalb der eigenen Nationalität und Ethnie, sowie für heterosexuelle Beziehungsformen gilt. Über den Status der Frau lassen sich zwei Extrempositionen konstatieren, die je nach Organisation unterschiedliche Ausprägungen an Radikalität erfahren: die Ablehnung und die Befürwortung des Eintritts der Frauen in die Erwerbstätigkeit. Während ersteres klischeehafter für rechte und konservative Ideologien ist, tritt vor allem die letztere Position vermehrt in der Fordergrund, wie es beispielweise bei der FPÖ der Fall ist.
Scheinemanzipation …
Die Ansichten einiger rechter Parteien wie der FPÖ weisen ein zwiespältiges Verhältnis zur Rolle der Frauen auf, welches aber im Kern konservativ ist. So werden Probleme sexueller Diskriminierung (Stichwort gläserne Decke) oder Überrepräsentanz von Frauen in schlechter bezahlten Berufen (u.a. Teilzeitjobs) auf ein sogenanntes „natürliches“ Geschlechterverhältnis zurückgeführt, welches sich – aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten von Frauen am Arbeitsmarkt – von selbst dahingehend wenden würde, dass Frauen immer gleichgestellter würden, wie folgendes Zitat belegt.
Es herrscht Einigkeit, dass es zwischen Mann und Frau Gleichberechtigung geben muss. Für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn.
Dabei wird das Problem der Doppelbelastung von Frauen durch Familie und Beruf heruntergespielt. Da jedoch keine Lösung für die Doppelbelastung angeboten wird, wird das Problem den Frauen überlassen, wie sie sich gegenüber der männlichen Konkurrenz durchsetzen.
… am Beispiel des Ring Freiheitlicher Studenten [sic!] (RFS)
Wie in der Argumentation der FPÖ (hier weniger explizit) lässt sich auch in der Argumentation von Mitgliedern des RFS die Betonung der Erhaltung der Werte finden, wobei hierunter dezidiert die Mutterrolle verstanden wird, wie folgendes Zitat verdeutlicht.
Sich radikal für Frauenquoten zugunsten geburtsverweigernder Karriere-Frauen einzusetzen, ist jedenfalls der falsche Weg.
Der RFS betont dezidiert eine pronatalistische Haltung, um dem Problem der Zuwanderung entgegenzuwirken. Im Sinne dieser Logik stellen Frauen die schwere Artillerie als Gebärmaschinen gegen das Anwachsen der Migrant_innen und Überalterung der Bevölkerung dar. Auch hier zeigt sich die rassistische Konstruktion des Fremden, die_der die heimische Kultur in ihrer Reinheit bedroht, sowie die Reduktion der Frau auf ihre biologische Funktionalität. In weiterer Folge wird im Zuge einer geschlechtsspezifischen Rollenzuweisung das Verhältnis Mann-Frau naturalisiert.
Es gibt Berufsarten, die der männlichen oder weiblichen körperlichen wie geistigen Spezifikation eher entsprechen und deshalb auch mehrheitlich von den jeweiligen Geschlechtern ausgeübt werden.
In der weiteren Argumentation wird daher den Frauen dezidiert die Rolle der Kindererziehung zugeschrieben, während sogenannte Frauenquoten diese „natürliche“ Ordnung (eine idealistische Konstruktion) nicht eingreifen sollen. Daher fordert der RFS eine Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Mutterschaft. Auch hier zeigt sich der pseudoemanzipatorische Anspruch, insofern zwar Maßnahmen für das Muttersein und Familienförderungen (Siehe Steuersplitting) vorgeschlagen, hingegen Hilfestellung für eine gleichberechtigte und antihierarchische Stellung der Frauen in einer nach wie vor patriachal geprägten Wirtschaft abgelehnt werden.
Literaturhinweise
- Antifaschistisches Frauennetzwerk/Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus (Hg., 2005): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der rechten Szene. Die Deutsche Bibliothek, Münster
- RFS (Hg., 2007): Der Ring. Die Freiheitliche Studentenzeitung. Nummer 25, Sommersemester 2007, Österreichische Post AG/Sponsoring Post, Wien
- Rösslhumer, Maria (1999): Die FPÖ und die Frauen. Döcker, Wien