Über Clemens Kaupa

Ich studiere Jus und Geschichte in Wien, im hoffentlich aller-allerletzten Semester.

12 Minuten für Fiona

Clemens am 3. März 2007 um 14:16

Mich begeistern ja Leute wie Jakob, die neben Uni, Arbeiten und Co. sich auch noch ein offenes Köpfchen für Kunst und Kultur erhalten. Ich mach das nicht. Mehr. Nach vielen Jahren, in denen ich mir eingebildet habe, multi-tasken zu können, bin ich des Verzettelns leid. Ich arbeite im Moment mit der Domino-Strategie: eine Sache nach der anderen. In diesem System haben äussere Einflüsse den einzigen Zweck, mein Hirn alle 48 Minuten durchzupusten. 48 Minuten lernen, 12 Minuten Pause. Komplizierte Dinge lenken da nur ab.
Heute morgen, in Lernpause 2, habe ich zum Beispiel Larry King auf CNN geschaut (weil ORF1 nach wie vor sportverseucht ist), und das war - passend zu meiner Strategie - frei von jeglichem relevanten Inhalt. Ich habe erfahren, dass Anna Nicole Smith in einem Kleid beerdigt wurde, dass mit Svarowski-Kristallen besetzt war. In your face, Exfinanzministerehegattin! Nach dem Vanity Fair-Desaster eine weitere Demütigung für das Pärchen des Grauens, aber für mich ausreichend für 12 Minuten Ablenkung.

Noch resch.

Clemens am 16. Februar 2007 um 10:06

In der aktuellen Ausgabe vom deutschen Vanity Fair posiert Karl Heinz Grasser ohne Hemd und nur mit einem Sekti in der Hand, das Sakko verhüllt notdürftig die mächtigen Schultern (Muskeln so beeindruckend als ob er die letzten sechs Jahre sein Finanzministerbüro nur über die Aussenfassade kletternd hätte erreichen können). Ein bisschen unglücklich sieht er in dem ganzen Boudoir-Gigolo-Setting aus, aber er wird sich schon noch mit seiner neuen Nutzlosigkeit anfreunden. Wenn er sich überhaupt groß umgewöhnen muss von davor.

Ich weiss ja seit meiner Schummelei beim Amtsarzt vor der Führerscheinprüfung dass ich eine Brille brauche. Aber wie ich gestern bei der Trafik vorbeigehe und das Plakat vom Vanity-Fair Cover sehe, denke ich mir: No, der Udo Jürgens schaut ja eh noch resch aus. War aber nicht der Udo sondern der Karlheinz. Brille notwendiger denn je.

Während das deutsche Vanity Fair bloß den Exfinanzminister demütigt, bringt die amerikanische Ausgabe mit “From the wonderful folks who brought you Iraq” einen lesenswerten Bericht über die aktuellen und sehr konkreten Kriegspläne der Neocons gegen den Iran. Im Gegensatz dazu halten, der (fehlenden) Berichterstattung nach zu schließen, europäische JournalistInnen einen Irankrieg in etwa so wahrscheinlich wie dass Grasser doch noch Aktienanalyst in London werden darf. Dabei ist das Thema so resch dass sogar der Economist darüber schreibt.

Februar

Clemens am 12. Februar 2007 um 12:25

“Na hallo, du hast den ganzen Februar frei?” - so regelmäßig wie mir der Worldcup im ORF1 jeden Winter das Fernschauen verdirbt muss ich mir diese Frage alle Jahre wieder gefallen lassen. Detto bei Oster-, Sommer- und Weihnachtsferien, jedesmal dieselben grossen Augen. Und jedesmal sag ich: “Nein, ich hab bloß keine Uni. Frei hab ich nicht.” Als ob jedeR sonstige Berufstätige im Land nicht auch Sachen ausserhalb der Bürostunden erledigen muss und nach Büroschluss nur noch Halligalli macht bis die Polizei kommt.

Seminararbeiten schreiben sich nicht von allein und ich hab auch niemanden der mir die Bücher aus der Bibliothek hinterherträgt. So naiv wie mich manche von meinen älteren studierten (!) Bekannten fragen drängt sich der Eindruck auf dass die Uni vor meiner Zeit tatsächlich bloß aus im Votivpark herumliegen bestand und man den Abschluss fürs herumtrampen in Griechenland bekommen hat.

Ich jedenfalls könnte auf den Februar bestens verzichten. Von der Temperatur draussen bekomme ich sowieso nichts mit, weil ich statt Halligalli zu machen über meinen Büchern sitze. Und wenn ich dann, um mein Hirn auszupusten, am Spätnachmittag Malcom schauen will, dann sind stattdessen Schirennen im ORF, die mich ja sowas von überhaupt nicht interessieren. Im Februar wird Studierenden wirklich nichts geschenkt.

Gemach, gemach!

Clemens am 10. Februar 2007 um 15:03

Neben der Juridicum-Mensa, die eine magnetische Anziehungskraft auf alle hat, die eigentlich ganz dringend lernen sollten, sind Reformen die natürlichen Feinde von Jus-StudentInnen. Die jetzt geplante Verwaltungsreform halte ich zum Beispiel für eine ganz üble Idee. Und zwar deshalb, weil ich gerade Verwaltungsrecht lerne. Ist die Reformkommission schneller beim reformieren als ich beim lernen dann weiss ich schon was ich im Sommer tu. Darauf habe ich aber keine Lust. Deswegen plädiere ich erstmal dringend für eine interministerielle Arbeitsgruppe nach der Reformkommission. Und dann soll man die Reformpläne ganz, ganz gemächlich mit den SozialpartnerInnen diskutieren. Dann den Konsens suchen. Und was spricht eigentlich gegen BürgerInnenbeteiligung?

Bravo Hits

Clemens am 9. Februar 2007 um 19:30

Heute erschien offiziell Bravo Hits 56. Das ist deswegen denkwürdig, weil es genau 50 Bravo Hits her ist, dass ich meine erste Partyknutscherei hatte. Und die Musik dazu kam eben von Bravo Hits. Ace of Base wars, aber man soll ja niemandem einen Strick aus seinen Jugendtorheiten drehen. Elke war meine erste und letzte Freundin, und dann hat es noch rund zwei dutzend Bravo Hits bis zu meiner nächsten Schmuserei gedauert.

Eigentlich hätte ich damals gern mit jemand anderem herumgeknutscht als mit Elke, nämlich mit diesem hübschen, hübschen Jungen aus der Klasse unter mir. Aber damals war “schwul” ein böses, böses Schimpfwort. Viel später hat mir meine Schulkollegin Simona erzählt, dass sichs ebendieser hübsche Junge mittlerweile ebenso auf hübsche Jungen steht. Das war dann zu spät.

Ich hoffe, dass Teenager mittlerweile gleich den oder die Richtige zum herumschmusen bei schlechtem Pop aussuchen. Und dafür nicht bis Bravo Hits 76 warten müssen.

Doch ein guter Anfang

Clemens am 8. Februar 2007 um 11:37

Zum ersten: es heisst DER Blog. Weil es so ähnlich klingt wie der BLOCK. DER Blog, DER Teller und DAS Joghurt – dies ist ein Wiener Blog, Widerstand ist also zwecklos.

Nach kurzer Hysterie rund um die Regierungsbildung versinkt Österreich nun wieder im grosskoalitionären Kompromisse-Sumpf: wo Löungen dann umgesetzt werden, wenn man sicher sein kann, dass niemand mehr weiss ob man dafür oder dagegen war. Sobald man darüber diskutiert, ob BlasmusikerInnen oder CV-ler in die Studiengebührenbefreiungsliste aufgenommen werden sollen und dies aber den Stipendientopf belastet, jedoch etc. etc. … dann läuft die grosse Koalition richtig.

Also falsch. Denn die relevante Frage lautet eigentlich noch immer: wie macht man das Bildungssystem sozial durchlässiger? Gegen grosskoalitionäre Sumpfigkeit muss man seine politischen Fragestellungen schärfen. Ein Übungsbeispiel zum Thema Pflegearbeit:
Übung 1:
Frage: soll sich Buchinger seinen Bart abschneiden?
Antwort: Die Gnackmattn und der Oliba vom Buchinger sind super – aber wurscht. Die richtige Frage lautet viel mehr: soll Pflegearbeit leistbar sein und die ErbringerInnen legal ein Einkommen beziehen, von dem sie auch tatsächlich leben können?

Blog gegen Sumpf. Das ist eigentlich ein ziemlich guter Anfang.


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