In ihrer Ausgabe vom 12. 2. 2009 erkor die deutsche Wochenzeitung Zeit psychische Traumata von Männern, deren Frauen (gegen den Willen ihrer Männer) abgetrieben haben, zur Titelstory im Magazin. In Anlehnung an das Stern-Cover aus den 70ern, das mit Fotos von Frauen gestaltet wurde, die abgetrieben haben, versuchte sich die Zeit in einer “Gegendarstellung” - “wir auch.” heißt es da auf einem gelben Balken, der über den Gesichtern von neun “traumatisierten Männer” liegt.


Dieser Artikel ist das unverhohlenste Stück Sexismus, das mir in meiner Karriere als Zeitungsleserin je untergekommen ist. Nicht nur, dass in diesem Artikel Frauen als böse Kindermörderinnen dargestellt werden, die sich ohne Einbeziehung der Männer für eine Abtreibung entscheiden (das ist auch eine der Hauptforderungen der portraitierten Männer: Männer sollen Mitspracherecht bei der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung haben), Psychoterror der Männer ihren Frauen gegenüber wird als legitime Handlung dargestellt, die Mitleid statt Bestrafung verdient:
“Thomas kauft ein Buch, es heißt Ein Kind ensteht. Aufnahmen von wenige Wochen alten Embryonen. Rötliche Ausstülpungen, die an Pflanzen erinnern, nicht an Körper. Er sucht im Internet Fotos von Embryonen, auf den Websites von Abtreibungsgegnern. Das Buch und die Fotos legt er auf den Küchentisch. “Du willst mir ein schlechtes Gewissen machen”, sagt Linda. Sie streiten jeden Tag.”
Laut Artikel haben Linda und Thomas bereits 3 Kinder, Thomas hat Linda dazu gedrängt, früh Kinder zu bekommen (”Er ist es gewesen, der seine Frau gedrängt hat, früh Nachwuchs zu planen, da studierten sie noch”) . Sie will kein viertes, denn sie ist erst kürzlich wieder in die Arbeitswelt zurückgekehrt. Und dennoch ist Thomas der Arme, Linda die Kindermörderin.
Hier ist folgendes klarzustellen: Abtreibung ist Frauenrecht. Ausschließlich und unumstößlich. Die ZEIT hat bewiesen, dass sie sich nicht davor scheut, sich in die Reihen der immer stärker werdenden reaktionären AbtreibungsgegnerInnen einzureihen und Lobbypolitik gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau zu betreiben.
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