In den letzten Tagen habe ich zwei Beiträge angefangen und nicht fertiggestellt, weil alles dermaßen drunter und drüber gegangen ist, dass es unmöglich war, etwas zu schreiben, mit dem ich dann auch halbwegs zufrieden gewesen wäre. Dafür werde ich die Inhalte in diesem Beitrag verwursten, der insofern einen Boxenstopp darstellt, als dass ich jetzt endlich mein allgemeines Lebenstempo übers Wochenende drosseln und etwas entspannen kann. Wobei “entspannen” in dem Fall heißt, eine Uni-Arbeit fertigzuschreiben und diverse Kleinarbeiten zu erledigen, die sich angesammelt haben - ich kann Clemens’ Februar-Beitrag voll unterstützen.
Aber abseits davon: Vergangenen Mittwoch ist Alexander Kluge, ein deutscher Film- und Fernsehregisseur und Buchautor, 75 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat das Profil einen lesenswerten Artikel mit dem Titel “Die Denkmaschine” veröffentlicht, der euch hiermit allen ans Herz gelegt sei. Kluge ist ungerechterweise nicht besonders bekannt, ausser vielleicht bei Thewi-Studierenden, und hier besonders bei allen, die jemals ein Seminar bei Christian Schulte besucht haben (diejenigen, die gemeint sind, wissen, wovon ich rede).
Mitte des Semesters hat er jedenfalls im Akademietheater aus seinem Buch “Tür an Tür mit einem anderen Leben” gelesen. Ich war dort und danach begeistert. Falls ihr euch anhand des Titels bereits ein Urteil gebildet habt: Ich weiß, dass das ein schöner, vergeistigter, intellektueller Titel ist, der auf den ersten Blick ähnlich sinnvoll klingt wie “Der Wunsch als Nachbar der Realität” oder “Das Mietshaus der Ungewissheiten” (beides Blödsinn, beides grade von mir erfunden und daher nicht real existent). In Wirklichkeit beschreibt dieser Titel eine ziemlich interessante Sache: Grade in Großstädten haben wir ständig Kontakt mit Leuten, die aus völlig anderen kulturellen oder sozialen Ecken kommen: In der U-Bahn, auf der Straße, im Supermarkt - eigentlich eh logisch. Aber ich finde es spannend, bewusst drauf zu achten, und sich zu überlegen, wie sehr sich das Leben der Person, die einem/einer in der U-Bahn gegenüber sitzt, vom eigenen Unterscheidet. Schärft die Wahrnehmung, das Bewusstsein für Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten und macht - zumindest mir - Spaß.
Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, weil grade das eine von Kluges Stärken ist: Abstrakte Formulierungen und Theorien konkret runterbrechen und so verarbeiten, dass dabei großartige Texte rauskommen.
Und wenn wir schon beim Thema Spaß sind: Der kommt langsam wieder. Nach meinem pessimistischen Ersteintrag bekomme ich jetzt, wo die Planung für das kommende Semester anläuft, wieder Lust auf den Wahlkampf. Die schwammigen Überlegungen werden zu konkreten Plänen, langsam wird fixiert, was wann wo und mit wem passiert, Ideen werden zu Projekten, und es sieht ganz so aus, also ob einige wirklich coole Dinge im Entstehen sind. Wir werden euch hier natürlich auf dem laufenden halten.
Anmerkung: Falls irgendjemand diesen Beitrag sofort, nachdem ich ihn online gestellt habe, gelesen hat, dürfte derjenigen Person aufgefallen sein, dass ich massiv dran rumeditiert habe. Das liegt daran, dass ich im Moment einfach drauf los schreibe, dann veröffentliche, und dann beim Durchlesen hundertausend Flüchtigkeitsfehler, zu lange Absätze und ähnliches entdecke, die ich dann ausbessern muss, Und beim nächsten Durchlesen wieder das selbe. Inhaltlich hat sich aber nichts verändert, nur besser lesbar sollte das Ganze geworden sein.
Notiz an mich selbst: Gründlich korrekturlesen, um Ausbesserungsorgien zu vermeiden.