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Dicke Jacht, steuerfrei.

Clemens am 14. März 2007 um 17:13

Opis Sparbuch erbst du steuerfrei, und Mamas Gartenhaus auch. Gut so. Wenig Unterschied jedoch zur bisherigen Rechtslage: das Sparbuch war schon bisher steuerfrei, und fürs Grundstück waren wenige Prozent (vom niedrigen Einheitswert) zu zahlen. Neu ist: fette Aktienpakete sind nun auch steuerfrei. Dicke Jachten, steuerfrei. Der Benz, steuerfrei. Schloss am Wörthersee, steuerfrei. Grossgrundbesitz, steuerfrei. Die Einzahlung in die Privatstiftung - schon bisher die angenehme Art des legalen Steuerbetrugs - steuerfrei.

Verstehen kann ich das schwer. Schon bisher hieß es, Kapital sei in Österreich viel zu niedrig, Arbeit dagegen viel zu hoch besteuert. Sogar die Wirtschaftskammer hat das gesagt. Seit Jahren wirbt die Bundesrepublik Österreich in ganzseitigen Anzeigen im “Economist”, dass Österreich einen der niedrigsten Steuersätze Europas hat.

Gut wäre gewesen, wenn sich SPÖVP dafür entschieden hätten, den Betriebsübergang für Klein- und Mittelunternehmen steuerfrei zu stellen und kleine Vermögen vollständig zu befreien. Das wäre kluge Politik. Schlecht ist es, dicke Vermögen zu befreien: es ist schlecht für Österreich als Wirtschaftsstandort, schlecht für den sozialen Ausgleich und schlecht für den breiten Mittelstand, der die Kosten auffangen wird müssen.

4 Kommentare zu “Dicke Jacht, steuerfrei.”

  1. Eva

    Enttäuschung und Entsetzen - alles was diese Regierung zustande bringt. SPÖ=Umverteilung? Soziale Absicherung? Freier Zugang zu Bildung? denkste. Und der Albtraum hat kein Ende… ich mag schon keine Zeitung mehr lesen.

  2. Jakob

    Fast ein bisschen wie Murphys Gesetz: “Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen”. Insofern bietet die jetzige Regierung fast schon ein beunruhigendes Maß an Berechenbarkeit. Mir wärs auch lieber, wenn sie unsere Erwartungen (die schlimmsten nämlich) einmal enttäuschen würden.

  3. nep

    Was meine Eltern und/oder Großeltern durch ihre eigene Arbeit ihr eigenes Risiko verdient haben, ist verdammt noch mal IHR Eigentum- nicht das des Staates. Deswegen geht es den Staat einen Scheissdreck an, wer wem was und wieviel vererbt.

  4. Clemens

    Wenn Leute sagen, man habe Geld durch “eigene Arbeit” verdient, dann klingt das immer ein bisschen so, als ob sie völlig autonom im Wald Fallen stellen oder mit einem Holzstecken Fische fangen … viel mehr Möglichkeiten, ohne Kooperation mit anderen Menschen und ohne Infrastruktur durch eigene Arbeit zu “verdienen” fallen mir nicht ein. Und wofür sonst zahlt man Steuern? Dafür, dass es Infrastruktur gibt und dass Kooperation zwischen Menschen funktioniert, und dass das Risiko von der Gesellschaft solidarisch getragen wird. Und wer will, dass das gesamte, riesige Vermögen von der Oma in den Genuss aller Vorteile kommt, die Länder wie Österreich so bieten (und wenn’s dir nur um den Eigentumsschutz geht, oder die Polizei) dann ist es eigentlich recht gut verständlich, warum Steuern zahlen kein “Scheissdreck” ist.

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