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Krux des “Leistungsstudiums”

Richard am 20. März 2010 um 08:56

In den Äußerungen zur Uni Politik ihren Zielen verlangt Bildungsministerin Beatrix Karl immer wieder die Erhöhung der Leistungsanforderungen an Studierende, sowie eine höhere Out-Put-Orientierung seitens Uni und bei der Erstellung von Lehrplänen. Wenn also davon die Rede ist, dass mensch sich eine höhere Akademiker_innenquote wünscht, so stehen letztlich die Absolvent_innen des Bachelors vor Windmühlen:

In Österreich gilt der Bachelor in der Verwaltung (u.a. Ministerien) nach wie vor NICHT(!) als vollwertiger akademischer Titel. Einsteiger_innen in dieses Beruffeld werden als B-Beamt_innen mit Matura eingestuft und nicht als A-Beamt_innen mit akademischen Abschluss. Und ausgerechnet im Ministerium für Wissenschaft und Forschung von Frau Karl gilt das auch, wo sie doch Leistung, Anstrengung und Berufsorientierung fordert. Wie denn jetzt?! Zuerst studieren und dann gesagt bekommen, weiterhin als Maturant_in zu gelten?

Der theoretischen Konzeption nach soll der Bachelor eine möglichst breite Basis schaffen, von der aus ein Einstieg ins Berufsleben und/oder in ein Masterstudium möglich wird, wo dann eine fachspezifische Spezialisierung erfolgt. Nun sind die alten Diplomstudien in sechs Semester gepresst worden und der Versuch eines “smarten” Studiums stößt an allerlei berechtigten Widerstand. Schließlich ist noch immer nicht klar, wohin das eigentlich gehen soll: Einerseits heißt es, der Bachelor soll quasi eine akademische Grund(aus)bildung geben, von wo aus mensch sich entscheiden kann, wohin sie_er danach gehen will. Andererseits gilt der Bachelor praktisch aber nicht als solche Basis.

In weiten Teilen der Wirtschaft und der Verwaltungen wird der Bachelor nicht als vollwertiges Studium anerkannt! Es wird bemängelt, dass die Spezialisierung fehlt - was aber auch nicht die Intention des Bachelorstudiums ist. Wenn also Frau Karl argumentiert, dass höhere Leistugnen erforderlich sind, dann ist dem entgegenzuhalten, dass diese Studienleistungen nicht in dem Maße wertgeschätzt werden. Die Verantwortung schließlich auf die Einzelpersonen abzuwälzen, insofern das Gefühl geweckt wird, nicht genug getan zu haben, ist anbetracht dieser Konstellation blanker Hohn!

Auch die immer wieder geforderten Zusatzleistungen und damit die Anforderungen des Arbeitsmarktes werden über kurz oder lang mit der neuen Studienarchitektur kollidieren: Das Bachelor-Master-PhD-System sieht Vollzeitstudien vor, im Zuge derer zusätzliche Tätigkeiten nur noch schwer bis gar nicht möglich sind. Hier sogenannte “Zusatzqualifikationen” bzw. “skills” zu sammeln wird doch durch die eigene Struktur verunmöglicht!

Es bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder die Leistungen der Studierenden werden in jeder Hinsicht anerkannt und alle gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Akteur_innen und Institutionen stellen sich darauf ein, oder der Bachelor gilt weiterhin als Studium zweiter Klasse und wir müssen uns Lösungen einfallen lassen, wie wir dieses Konzept aufwerten oder umgestalten.

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