Wie zu jedem Semesterbeginn musste ich mir auch in diesem Februar ein Semesterticket besorgen. Warm eingepackt mit Ohrenschützern, Handschuhen und Wintermantel, an dem auch jetzt noch die Buttons von den Demos von vor 2 Monaten pinnen, ging ich nun zum Wiener Linien-Schalter meines Vertrauens und orderte ein Ticket.
Als der WL-Typ mein Formular und den Studi-Ausweis entgegennahm, blieb sein Blick an einem Anstecker an meinem Mantel hängen.
„San Sie politisch organsiert? So als Frauenrechtlerin?“
Ich reagierte etwas verspätet, weil ich es gewohnt bin, nicht in Gespräche verwickelt zu werden, während ich Formalia erledige. Er meinte wohl meinen Corraleras-Anstecker.
„Ja, ich bin in einer Studierendenorgansiation“
„Find i guat.“
In diesem Moment habe ich mich wirklich gefreut. Ich sagte es ihm auch und meinte, dass ich auf selten Männer treffe, die das so sehen.
Daraufhin sah er mich fragend an, während er mein Ticket ausdruckte.
Ich ergänzte: „Naja, allgemein finden sich schon auch Männer, die Emanzipation und Gleichstellung als wichtig empfinden.“
„Na eben…“, entgegnete mir der Beamte.
„…Aber wenn es dann um realpolitische Umsetzungen geht, machen die meisten dann doch einen Rückzieher.“
„Zum Beispiel?“
„Beim Thema Quoten.“
Und beim Anblick des verdutzt-empörten Gesichtsausdrucks des Schalterbeamten wusste ich, dass ich mich zuvor zu früh gefreut hatte.
„Ja, aber Quoten san jo a a Bledsinn. Wenn i nur noch dem Geschlecht geh, machen ja lauter Unqualifizierte Jobs, für die sie nicht geeignet sind.“ Es wirkte wie eine Zurechtweisung, während er mir mein Ticket übergab.
Für gewöhnlich fallen mir die besten Antworten für Situationen wie diese erst zu Hause ein – was mich dann meist ärgert – doch in diesem Fall wollte ich diejenige sein, die das Gespräch beendet.
„Und haben sie schon mal drüber nachgedacht, wie viele Männer in bestbezahlten, sicheren Jobs sitzen, obwohl viele Frauen qualifizierter und besser gebildet sind als sie? Und das völlig ohne implementierte Männerquoten, sondern aus selbstverständlicher Männerpräferierung?“
Ich setzte rasch ein Lächeln auf, krallte eifrig Ticket, Ausweis und Geltbörsel in den Rucksack und ging. Ich habe nur einen kurzen Blick auf das abermals verdutzte Gesicht meines Gegenübers geworfen. Ich wusste, dass er nach einem passenden Gegenargument suchte, aber darauf wollte ich nicht warten.
So richtig genießen konnte ich diesen kleinen Triumph dann aber doch nicht als ich in der U-Bahn saß. Denn ich wusste, dass er weiterhin in dem Glauben sein würde, zu den Männern zu gehören, die „es ja eh gut mit Frauen meinen“. Ihm zu verklickern, dass er genauso zu den Alltagssexisten gehört, mit denen sich Frauen täglich rumplagen müssen und die nicht verstehen, dass mehr Rechte, mehr Macht und mehr Raum für Frauen logischerweise auch weniger Raum für Männer bedeuten, habe ich wohl nicht geschafft.
Ich kann diese Wohlfühl-Pseudoprogessiven nicht leiden, die Feminismus nur solange tolerieren, solange es ihnen bequem ist. Das ist gelebte Präpotenz.
Immerhin werde ich ohnehin noch eine ganze Weile studieren und noch so einige Semestertickets brauchen. Da werde ich ihm Letzteres auch noch sagen.












