Als ich gestern in die U6 in Richtung Alserstraße einstieg, beobachtete ich eine junge Frau, die versuchte, einen Kinderwagen durch den Eingang in den Wagon zu schieben, während sich zwei Männer Mitte dreißig und eine ältere Frau an ihr vorbeidrängen. Platz machen war meinerseits nicht möglich, immerhin konnte ich mich mit meinem Rucksack selbst kaum bewegen.
Das etwa 1-jährige Kind musste indes sicher Platzangst erleiden, da ihm geschätzte vier Taschen von allen Seiten ins Gesicht standen.
Es stellte sich heraus, dass die junge Frau und ich dasselbe Ziel hatten: das Hauptgebäude der Universität Wien. Sie selbst hatte auch einen Rucksack und quälte sich abermals durch die herausströmende Menge an der Endstation des 43ers am Schottentor.
Es war im Grunde nur eine Kleinigkeit, weshalb ich extra auf die Uni fahren musste – ein Buch war fällig, also quälte ich mich über die diversen Stiegenaufgänge.
Über drei Treppenaufgänge und eine hürdenreiche Baustelle hinweg kam ich also erschöpft und etwas genervt am Ziel an. In dem Moment musste ich an die Frau mit dem Kinderwagen denken und fragte mich, wie es wohl sein muss, sich mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl oder Krücken oder mit Sehbeeinträchtigung an der Uni zurechtzufinden. In Wahrheit ist es mühsam und führt dazu, dass Studierende und Lehrende mit Kindern oder Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen sich auf der Universität nicht so frei bewegen können, wie es ihnen zusteht.
von wegen barrierefrei
Es heißt von konservativ-monetaristischer Seite, es können nicht alle studieren. Es heißt auch, die Unis seien derzeit viel zu offen, es gäbe zu viele Studierende und davon brechen zu viele ihr Studium aus Faulheit ab und kosten damit Geld.
In Wahrheit existieren Hürden und Beschränkungen schon längst und wirken auf jene, die nicht ins Bild des_der perfekten Student_in passen.
Eltern, die studieren? Nein danke, nicht effektiv einsetzbar und vmtl. zu alt. Überhaupt: Rabeneltern, die ihre Kinder mit auf die Uni nehmen? Wollen wir nicht. Und zusätzlich bestrafen wir sie, in dem wir sicherstellen, dass es zu wenige Betreuungsplätze gibt.
Die Vereinbarkeit von Studieren bzw. wissenschaftlicher Tätigkeit und Betreuung/Erziehung von Kindern schafft einen kaum bewältigbaren Spagat. (Näheres zu diesem Thema findet sich hier)
Abhilfe würden Kindergärten an jedem Unistandort durchaus schaffen und es Studierenden und Lehrenden ermöglichen, beiden Dinge, die ihnen wichtig sind, nachzugehen.
Mal sehen, wie viele Jahrzehnte es bis zu dieser Erkenntnis und ihren resultierenden Implementationen noch dauert…
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