“Dann macht es eben puff!”

Der deutsche Komödiant Vicco von Bülow alias Loriot hat in einem seiner Sketches bereits ein kritisches Plädoyer über den Umgang mit der Kernkraft geliefert. Im folgenden Beitrag soll ein kömidantischer Zugang zu einem eigentlich todernsten Thema gefunden werden.

Loriot – Weihnachten bei Familie Hoppenstedt
(Ab 6 Min. 25 Sek. bis 8 Min. 4 Sek)

Die Szene spielt im idealen Haushalt fordistischer Prägung: Weihnachten ist ein geplantes Konsumerlebnis der Hetero-Familie, auch wenn heuer der Baum weniger Lametta hat und umweltfreundliche Äpfel drauf hängen.

Schließlich kommt Opa Hoppenstedt als Weihnachtsmann herein und bringt dem uninteressierten Wonneproppen sein Geschenk: Ein Atomkraftwerk zum selber bauen! Kommentar von Frau Hoppenstedt: “Entzückend!”

Bereits in dieser Bildsprache offenbart Loriot den Umgang mit der Kernkraft als einem Konsumgut, das letztlich doch genau so harmlos ist wie der Plattenspieler den Opa geschenkt bekommt.

Atomkraft ist kinderfreundlich, das sagt schon Herr Hoppenstedt wenn er zu den NachbarInnen in der Wohnung unter ihnen meint: “Das ist ein Kinderspielzeug.” Loriot spielt hier auf die, bis heute praktisch gültige Erzählung vom “bösen Atom”, das in Form “der” Bombe Tod und Zerstörung über die Welt bringt einerseits, und dem “guten Atom”, das in Kernkraftwerken für alle leistbare Energie, Wohlstand/Arbeitsplätze erzeugt, an. Kurzum, eine Abrechnung mit einem Mythos, der vor allem aufgrund der derzeitigen Katastrophe im japanischen Kraftwerk Fukushima I wieder in Erinnerung gerufen wird. Zum Zeitpunkt des Sketches (noch vor Tschernobyl) handelt es sich um eine Abrechnung mit einem Mythos von der Kernkraft, der sowohl diesseits wie auch jenseits des Eisernen Vorhanges die (Energie-)Politik bestimmte und bis heute seine Konsequenzen zeigt.

Eine bezeichnende Darstellung der Auswirkungen von Atomkatastrophen kommt ebenfalls nicht zu kurz: Ziel des Spielzeuges ist offensichtlich eine Explosion hervorzurufen, bei welcher die Häuser und Kühe umfallen, wenn man etwas falsch zusammengebaut hat. Dann macht es puff und die/der OttonormalverbraucherIn Hoppenstedt hat ihre/seine Freude. Die durch die medialisierte Übertragung von Bildern der Katastrophe aufgeheizte Geilheit an der Katastrophe und sogar kurzfristige Betroffenheit ist befriedigt – und wird sogleich wieder durch Abdecken des havarierten Reaktors mit Weihnachtspapier vergessen und verdrängt. Die Katastrophe konnte schließlich ausreichend konsumiert werden – eine weitere Beschäftigung erscheint jeder/jedem abgedroschen und mittlerweile fad. Auch die Auswirkungen des Unfalls sind vergessen, selbst wenn die Wohnung ruiniert ist, insofern durch die Explosion respektive Kernschmelze ein Loch in den Fußboden gerissen wurde und die NachbarInnen in der unteren Wohnung vom Abendessen abgehalten werden. Katastrophen haben eben nicht nur lokale Konsequenzen, was auch das Geschenkpapier nicht verhüllen kann. Die kleine Katastrophe wird zum Präsent für die folgenden Generationen und wird beim Saubermachen der Bescheerung ganz vergessen so dass Opa Hoppenstedt durch das Loch zu den NachbarInnen durchbricht!

Plädoyer für die Zukunft der Kernenergie von Frau Hoppenstedt: “Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.”

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One Comment

  1. Posted 19. April 2011 at 00:27 | Permalink

    Wow! Great thiinkng! JK

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