es {funk’t}

Abstract
Der Beitrag behandelt einige Vorfälle im Frühjahr des Jahres 2011, die mit dem Wort “Funke” in Verbindung stehen. Insgesamt handelt es sich um ein Konvolut aus zusammenhängenden und nicht-zusammenhängenden Geschichten, die parallel zu einander passiert sind und Abgründe des politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens erahnen lassen.

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In letzter Zeit stolpere ich immer öfter über einen “Funken” bzw. “Funk’n”. Außer das Wort oder zumindest dessen Stamm, nämlich “Funke”, haben die einzelnen Phänomene jedoch nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun. Zumindest kann SPUTNIK, der ja gewisser Maßen seine Kommentare übers Netz funkt, einen Beitrag leisten und geht der folgenden Frage nach: funken die einzelnen Phänomene nur unregelmäßig auf, oder lässt sich von einem “allgemeinen” Funken, im Sinne eines gesamtheitlichen Phänomens sprechen?

Grundsätzlich muss jetzt mal erklärt, was den bisher als Funke erfasst wird und wer oder was da eigentlich funkt.

1. Der Funke
Neben der Alsergrunder SJ, die sich ihrerseits “der funke” nennt, gibt es unlängst noch eine weitere Gruppierung, die sich “Der Funke” nennt. Dabei haben die einen mit anderen nichts zu tun bzw. stehen sich beide in ihren politischen Ansichten diametral entgegen. Während es sich bei Ersteren neben der Alsergrunder SJ um eine trotzkistische Strömung innerhalb der Sozialdemokratie handelt, handelt es bei Letzteren um eine Gruppierung autonomer Nationalisten. Vor allem mit diesen möchte ich mich hier noch auseinandersetzen, da sich deren Umtriebe in letzter Zeit gegen das Institut der Politikwissenschaft und die Rote Hütte des VSStÖ vor dem Hauptgebäude Universität Wien gerichtet haben.

Das Logo von “Der Funke”, welches auf den ersten Blick an das Logo der Unibrennt Bewegung erinnert (vor allem wenn es auf Uni aushängt), entpuppt sich als eine Immitation. Hier wird versucht an diese Symbolik anzuknüpfen , was  durch Sprüche wie etwa “Her mit dem schönen Leben” untermal wird, doch stehen die Symbole hier in einem völkischen Kontext. Eine detaillierte Ausführung wird vielleicht noch an anderer Stelle nachgetragen, da ich eine genauere Explikation nicht so nebenbei fallen lassen möchte. Zur symbolischen Konnotation des Flammensymbols, wie es auch jenes von “Der Funke” darstellt, ist noch hinzuzufügen, dass es vor allem im Zusammenhang mit Sonnwendfeiern und Fackelzügen auftaucht. Hintergrund bildet das Bedürfnis, sich bei solchen Zeremonien auf die Ahnen und germanischen Wurzeln rückzubesinnen und Kraft aus dieser intergenerationellen Verbindung zu schöpfen. Alles in allem also ein Anlehnung an heidnische Bräuche und darüber hinaus rechtsradikale Symbolpflege. (Siehe dazu: Maergele, Anton: Rechtsextreme Symbolik. In: http://www.tribuene-verlag.de/TRI_Maegerle_1.pdf v.a. S. 118)

Ein bezeichnender Hinweis für die rechtsextreme Gesinnung der Gruppe ist der Link zum sogenannten Thule-Seminar. In diesem Zusammenhang bildet “Der Funke” eine rechtsintellektuelle Vereinigung, die ihren Einfluss offensichtlich auch in Österreich geltend machen möchte. Warum sie sich hierfür ausgerechnet das Institut für Politikwissenschaft ausgesucht haben, ist mir noch nicht ganz klar – hierzu wären Kommentare der Leser_innen sehr willkommen.

2. Der Funken [Funk'n]
Abseits vom linken und rechten Funkenflug, der sich in der Differenzierung von “der funke” und “Der Funke” ergibt, gibt es noch ein Vorarlberger Fest mit der Bezeichnung “Funken”. Dieses fand heuer am 26. März Am Himmel (Döbling) statt, während in Vorarlberg schon zwei Wochen zuvor die Flammen loderten und den Frühling ankündigten. Diese Verzögerung resultiert daher, dass für die Fertigstellung des Funk’n eine eigene Zunft verantwortlich ist. Da Wien bekanntlich nicht in Vorarlberg liegt, kommt jedes Jahr eine andere Zunft in den Osten und verrichtet beim Baumkreis Am Himmel ihr Funkenwerk.

Der Funken selbst ist eine Art Scheiterhaufen bzw. Holzstoß, der zu einem (idealer Weise) viereckigen turmartigen Gebilde aufgebaut ist. In seiner Mitte steht meist eine Fichte, die die Konstruktion auch bei Windgang und dem Verbrennungsprozess in Form halten soll – schließlich wird es als Unglück für das Jahr angesehen, wenn der Funken nicht zuerst ordentlich abfackelt und daran anschließend in sich zusammensackt. Am höchsten Punkt der Konstruktion ist die Puppe einer Hexe angebracht, die als Symbol des Winters verbrannt wird. Meist ist ihr Korpus mit einem Gasgemisch gefüllt, um den Verbrennungsprozess unterhaltsamer zu gestalten. Insgesamt also ein sehr skurriles Schauspiel, wenn bedacht wird, dass ein weiblicher Symbolträger in Form der Hexe für alles Schlechte herhalten muss, dem es anschließend ordentlich einzuheizen gilt. Bei der Bekundung meines Unmutes über diese symbolhafte Anordnung im Rahmen des Funken-Festes erhielt ich aus der näheren Umgebung verächtliche Blicke und sogar den Kommentar, dass die Symbole bzw. der Kult durchaus an die Neuzeit angepasst seien und ich mich (als Stadtkind, welches von Urtümlichkeit keinen Tau hat) darüber nicht zu echauvieren brauche. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich weiterhin insistiert hätte – Ketzertum, Scheiterhaufen, Verbrennungen, das sind Begriffe, die doch sehr nahe bei einander liegen und ich will doch nicht dem Brauchtum des Westens zum Opfer fallen. Aber wenn wir schon bei der Frage der Aktualität und Adäquatheit der Symbole und ihrer Konnotation sind, müsste ich aus dem genannten Kommentar doch schließen, dass Hexenverbrennungen an sich noch nicht aus der Mode gekommen sind.

Immer wieder kommt es vor, dass ein Funken umkippt, durch zuviel Benzin vorzeitig kollabiert respektive teilweise explodiert, und daher die Vorarlberger Gemeinde (s0w0hl im Ballungs-, wie auch im ländlichen Raum) dunkle Vorahnungen für das Jahr hegt. Unabhängig von dieser individuellen Interpretation des Ereignisses hat die Hexe bei jedem Funken Pech: Hier wird “weibliche” Symbolik verkohlt, damit auch dieses Jahr wieder der “heilige” Mohr dem Vorarlberger Unterland entsteigt und seine bierige Glückseeligkeit den Menschen außerhalb der Brauunion schenket.

In diesem Zusammenhang – und für alle Nicht-Eingeweihten – ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass Vorarlberg entlang der Bierdemarkationslinie von Mohrenbräu und Fohrenburger, zwischen Ober- und Unterland, in zwei Bierfraktionen geteilt ist. Inwiefern diese einen Klassencharakter ausgeprägt haben und sich im Sinne der Marx’schen Terminologie immer mehr feindlich gegenüberstehen, müsste empirisch überprüft werden – eine Harausforderung für die Soziologie. Ganz bestimmt müssten bei einer solchen Studie aber auch die Randfaktoren wie etwa der Einfluss der sogenannten Bevölkerungsgruppe der “Wälder” {wöl’der}, sowie der Vorarlbergischen Diaspora im Ballungsraum Wien in Betracht gezogen werden.

3. Funkige drei Monate
Weil wir schon bei heidnischen Bräuchen sind, fällt mir doch gleich die verschwundene Kultur der Maya in Mesoamerika (vorwiegend auf der der Halbinsel Yukatan) ein, deren steinerne Pyramiden im Dschungel der Welt als Relikte geblieben sind. Vor ihrem Ende haben sie noch einen Kalender erfunden, der nach unserer Zeitrechnung mit Jahr 2012 endet. Mal abgesehen vom Blockbuster “2012” und der neu aufkommenden Weltuntergangshysterie und der dauerhaften Endzeitstimmung, wie sie sich schon zur Jahrtausendwende ankündigte finden schon dieses Jahr einige arge Sachen statt. Oder erscheinen uns Erdbeben, Tsunamis, Kriege und atomare Katastrophen im Moment so schlimm, weil wir sie im Internet oder Fernsehen faktisch live verfolgen können? Oder führt gerade diese Pseudoinvolviertheit der Generation “Web 2.0″ zu jener Wahrnehmung medialisierter Darstellung von Ereignisse, deren Endlichkeit durch den ON und OFF Schalter am Gerät geprägt ist?

4. Was “funkt” jetzt?
Die einleitende Fragestellung, ob es sowas wie “den” Funken, im Sinne einer allgemeinen Erscheinung gibt, lässt sich nicht restlos klären. Eine verbindende, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelte Kategorie ist der Bezug zu heidnischen Bräuchen und offensichtlich althergebrachtem Denken. Insgesamt also eine sonderbare Aufstellung, die von anderen Ereignissen – bei denen es zugegebener Maßen ebenfalls, aber mehr im technischen Sinne funkt – begleitet wird. Da hätten wir etwa die Kernspaltung: Während Fukushima I in Japan nicht nur Funken, sondern auch radioaktive Dämpfe sprüht, funkt die Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke in Deutschland Bundeskanzlerin Merkel ordentlich rein. Im Zuge dessen funkte es gerade in Baden-Württemberg zwischen SPD und Grünen, die sich erfolgreich gegen die Atom-Köpfe in der Bundesregierung positionieren.

Meiner Meinung steht das Jahr 2011 – um die Hysterie medialisierter Inszenierung und Überdrehtheit zu steigern – im Zeichen des FUNKEN und wir können uns noch von der einen oder anderen (unerwarteten) Wendung in der Geschichte überraschen lassen … sofern sofern uns die nötigen Informationen per DVB-T, Internet oder Satellit gefunkt werden.

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One Comment

  1. Posted 29. März 2011 at 19:06 | Permalink

    Tolle Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Freue mich auf weitere Posts!

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