Väterrechte - rechte Väter?!
kathrin am 29. Oktober 2009 um 20:33Am morgigen Nachmittag – so zumindest die Ankündigung – erfolgt eine Ansammlung von Männern, die sich in einer offensichtlich patriarchalen Gegenwartsgesellschaft wie der unsrigen (siehe hierzu: http://diestandard.at/fs/1256743529283/Global-Gender-Gap-Report-Oesterreich-ist-kein-Paradies-fuer-Frauen) benachteiligt fühlen mit anschließender Demonstration in Wien. Es ist immer wieder verwunderlich, wie ausgerechnet jene die Anerkennung ihrer „Benachteiligung“ fordern, die durch herrschende Rollenbilder und Zuschreibungen Vorteile erheischen und postulieren, doch endlich etwas gegen die überschwappende Gewalt gegen Männer in österreichischen Haushalten zu unternehmen. Angesichts des augenscheinlichen Mangels an Frauenhäusern in diesem Land, die noch dazu chronisch unterfinanziert werden stellt diese Forderung eine Verkehrung realer Verhältnisse dar.
Wollte man die Forderungen dieser Männer für Gleichstellung an tatsächlich herrschenden Ungleichheiten anpassen, müssten ihre Postulate eigentlich heißen: „Wir wollen auch ab jetzt 26,2% weniger Einkommen! Wir wollen uns genauso in sämtlichen Medien- und Werbematerialien nackt präsentieren müssen! Wir wollen auch durch eine eigene gläserne Decke an Weiterbildung und beruflichem Aufstieg gehindert werden! Und: wir wollen auch, dass, allein aufgrund der Möglichkeit, dass wir Nachkommen produzieren können, man von uns erwartet, in der Arbeit und Selbstentfaltung zurückzutreten!“ – aber solche Forderungen finden sich freilich nirgends…
Noch zur allgemeinen Belustigung: Auszüge aus dem Parteiprogramm besagter „Männerpartei“ mit Nackenhaareaufstellpotenzial (mensch beachte die Beschreibungen von Geschlechtern):
„Es ist Aufgabe der Politik, natürliche Defizite der Geschlechter durch Anwendung von Technologie und gesetzlichen Maßnahmen auszugleichen. Dieser Ausgleich hat durch Förderung des jeweils schwächeren Geschlechts zu erfolgen, nicht durch Behinderung des jeweils stärkeren Geschlechts. Maßnahmen, die ihre Effizienz an dem verhältnismäßigen Erfolg der Geschlechter messen, wie zum
Beispiel Quotenregelungen, sind daher abzulehnen.
Wir bekennen uns zu den natürlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Kraft dieser Unterschiede werden Männer und Frauen immer unterschiedliche Stärken und Schwächen, unterschiedliche Erfolge und Mißerfolge, unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche
Lebensläufe haben. Diese Unterschiede sollen aber nie als Zwang für den Einzelnen verstanden werden, eine bestimmte traditionelle oder moderne Rolle einzunehmen.“

am 6. November 2009 um 19:45 Uhr.
Guten Tag! Können Sie mir sagen was dieser Artikel mit unserer Demo zu tun hat? Entweder Sie haben nicht begriffen um was es hier wirklich geht, oder Sie sind nicht im Stande unsere Forderungen zu verstehen?
Ich erwarte Ihre Antwort mit Spannung!
Johann Aschauer
am 12. November 2009 um 14:50 Uhr.
Die rote Brille trübt den Blick. Vielleicht sollten Sie nicht einfach irgendwelche Interpretationen des GGG-Reports zitieren, sondern diesen inkl. der dabei angewandten Methodik einmal selbst lesen. Sollten Sie trotz Ihrer politischen Funktionalität noch einigermaßen objektiv urteilen können, würden Sie dieses politische Machwerk niemals als Beleg für eine systembedingte Schlechterstellung “der Frauen” heranziehen.
Das einzige, was aus diesem Bericht herausgelesen (s. Bildung) werden kann, ist das Versagen der Frauenbewegung in der Basisarbeit. Anstatt dafür zu sorgen, daß weibliche Auszubildende in höherem Maße in wirtschaftlich relevante Berufsfelder strömen, werden hohle Phrasen gedroschen und Quotenplätze für Spitzenfunktionen (Frauenpolitik als Selbstzweck?) gefordert. Bei einem aliquoten Frauenanteil in bis dato männerdominierten höherbezahlten Berufssparten würde sich sowohl das Gesamteinkommen der Frauen als auch der prozentuelle Anteil an Führungspositionen miterhöhen. Indes - nach wie vor wenige Informatikerinnen aber dafür viele Handelsangestellte etc. - ein Versagen der Männer? - wohl kaum. Da ist wohl eher der Unwille, sich mit Materie auseinanderzusetzen, die in erster Linie trockenes Spezialwissen erfordert - ohne das unsere Gesellschaft nicht mehr funktionsfähig wäre - ausschlaggebend für die Berufswahl.
Aber zurück zum eigentlichen Thema, das Sie gelinde gesagt mehr als verfehlt haben: Hier geht es nicht um links oder rechts, auch nicht um Männer oder Frauen.
Hier geht es ausschließlich um das Wohl von Kindern, ihre Gefühle, ihre Bedürfnisse, schlicht ihre Menschenrechte, die von der Frauenpolitik (wie auch Ihre werter Beitrag beweist) in politische Geiselhaft genommen werden.
Ich erwarte nicht, daß Sie ihre rosarote Brille ablegen, denn der feministischen Bewegung geht es offensichtlich nicht um Gleichberechtigung. (Auch lebt sie gerade davon, ein erklärtes Feindbild zu haben.)
Aber Sie sollten wissen, daß uns Ihre Politik der Verleumdung nicht beirren wird, trotz der uns angeborenen und aus Ihrer Sicht bösartigen Eigenschaft, männlichen Geschlechts zu sein, für eine Welt zu kämpfen, in der tatsächliche Gleichberechtigung Normalität und damit kein besonderes Thema mehr ist.
Sie sollten sich daher nicht mangels stichhaltiger Argumente gegen diese Demo darin ergehen, sich über diese Väterinitiative zu belustigen, sondern darüber nachdenken, ob Väter, die an den Herd wollen, die natürlichen Feinde der feministischen Bewegung an sich sind.
Ich denke, es sind nur die natürlichen Feindbilder derjenigen politischen AkteurInnen, die den Feminismus aus machtorientiertem Selbstzweck heraus betreiben.
am 24. Dezember 2009 um 17:52 Uhr.
genau, die Feministen machen das nur aus machtorientiertem Selbstzweck. Warum beklagen sie denn, dass in den Führungsetagen fast nur Männer sitzen? Wem würde es denn nützen, wenn die Geschlechterverteilung 50/50 wäre. Dem einfachen Mann auf der Straße bestimmt nicht, sondern nur den Frauen.
am 7. Januar 2010 um 13:05 Uhr.
Für Interessen auf die Straßen zu gehen, ist ein demokratisches Grundrecht jeder Bürgerin und jeden Bürgers. Was mich jedoch veranlasst hat, ein kritisches Kommentar zur Väterrechtsdemo zu schreiben, war die Signatur der österr. Männerpartei. Ich entziehe ihr die Existenzberechtigung, da ich die Grundsätze, Forderungen und Legitimationsgrundlage dieser Gruppierung für unreflektiert, unnötig und realitätsverklärend erachte. Die Männerpartei bejaht Differenz von Männern und Frauen (abgesehen davon, dass sie von der Existenz einer Zweigeschlechtlichkeit allein überzeugt ist) und damit die Ungleichbehandlung jener.
Aktivisten (sic!) dieser Gruppierung schreiben Sexismen fest und praktizieren diese, lassen Männer als Opfer eine sie knechtenden Gesellschaft, vor allem von bösen Frauen (je nach Artikel, ich verweise hier nochmals auf die Homepage besagter Partei) erscheinen und verneinen systemisch produzierte Hindernisse, die Frauen in den Weg gelegt werden.
Nochmal für alle, für die gender mainstreaming immer noch Fremdwort und/oder Schimpfwort ist:
Dem VSStÖ geht es geht um Folgendes:
• Sichtbarmachen von – offensichtlichen aber von vielen negierten (vor allem von jenen, die von einem patriarchalen Politik- und Gesellschaftssystem profitieren – also Männern) Diskriminierungen – aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität
• Analysieren aller Politikbereiche auf ihre inhärente Geschlechterungleichbehandlung (von Steuergesetzen über Infrastruktur für Kinder- und Krankenbetreuung u.v.m)
• Endlich den Irrglauben beseitigen, dass Männer und Frauen unterschiedlich seien – weder in Charakter, Fähigkeiten, Interessen, Vorlieben o.Ä. und dagegen kämpfen, dass es trotzdem aber Ungleichbehandlung, Sexismen, Objektivierung von Frauen als sexuelle Ware, schlechtere Entlohnung trotz gleicher Ausbilung und gleicher u. gleichwertiger Arbeit u.v.m. gibt.
Wenn näheres Interesse zu uns und unserer Arbeit besteht, verweise ich gern auf unsere homepage: http://www.vsstoe-wien.at/corraleras
am 8. Januar 2010 um 10:57 Uhr.
Irgendwann werden sich auch die sozialistischen Frauen dazu durchringen müssen, ein wenig Ordnung in ihre Ideologie zu bringen.
Frage: Gibt es natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
Antwort der sozialistischen Frauen: Nein.
Frage: Woher kommt die Benachteiligung der Väter bei alleiniger Obsorge?
Antwort der sozialistischen Frauen: Sicher nicht von der Diskriminierung durch den Staat.
Also was jetzt, liebe Marxistinnen? Wenn es keine natürlichen Unterschiede gibt, warum behandelt der Staat dann Väter ganz anders als Mütter?
Wenn die Marxistinnen ihre eigene Ideologie ernst nehmen würden, müssten sie bei jeder einzelnen Demonstration zur Gleichberechtigung der Väter mitmarschieren.
am 8. Januar 2010 um 13:19 Uhr.
Ich möchte ergänzen: sozialistische Feministinnen mit dekonstruktivistischem Ansatz sind überzeugt, dass es keine “natürlichen” Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt - und dazu zähle auch ich mich.
Ich möchte Sie weiters darauf hinweisen, dass “der Staat” (ergo sämtliche materielle und imaterielle Institutionen, Organisationen, Regierungsbildungen etc.) von Menschen geführt werden und diese sehr wohl oft allein zweigeschlechtlich denken und diskriminierend handeln.
Daher kann ich korrigieren: Natürlich erfolgt Diskriminierung auch durch den Staat.
Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich etwas mehr mit marxistischen und feministischen Theorien zu beschäftigen, bevor Sie in sich widersprüchliche Behautungen aufstellen.
mfg,
Kathrin
PS: Eines jedoch stimmt: bei einer Demonstration, die von der “Männerpartei” organisiert wird, welche lediglich für Bevorteilung jenes Teils der Gesellschaft kämpft, der ohnehin schon privilegiert ist, die aber gleichzeitig Geschlechterdifferenzen festschreibt und Zweigeschlechtlichkeit NICHT hinterfragt, will und werde ich nicht mitmarschieren.